SCHNEEWEISSCHEN UND ROSENROT

Es war einmal eine arme Witwe, die in einer einsamen Kate wohnte.

Vor ihrer Kate standen zwei Rosenbäumchen. Eines davon trug weiße, das andere rote Rosen;

Ihre beiden Töchter waren wie diese beiden Rosenbäumchen:

Das eine hieß Schneeweißchen, das andere Rosenrot.

Schneeweißchen war still und freundlich und half seiner Mutter stets bei der Hausarbeit.

Rosenrot liebte es, herumzulaufen, Blumen zu pflücken und Schmetterlinge zu haschen.


Eines Abends klopfte es an der Tür.

Rosenrot öffnete und fand voller Erstaunen einen Bären draußen stehen.

Die Witwe bat ihn herein und er setzte sich gemütlich ans Feuer,

während die beiden Mädchen mit ihm spielten.

Den ganzen restlichen Winter kam der Bär jeden Abend zur selben Zeit zu Besuch.

Am ersten Frühlingstag jedoch sagte er Schneeweißchen, dass es Zeit für ihn sei,

zu gehen, damit er seinen Schatz gegen die bösen Zwerge verteidigen könne.

Traurig entbot ihm Schneeweißchen das Lebewohl und sah ihn von dannen gehen.

Kurze Zeit später suchten die Mädchen nach Feuerholz.

Da begegneten sie einem Zwerg, dessen Bart sich in einem Baum verfangen hatte.

Sie versuchten, ihn zu befreien, es gelang ihnen aber nicht.

Also zog Schneeweißchen eine Schere hervor

und schnitt das Ende seines Barts einfach ab.

Plötzlich befreit blickte der Zwerg ungläubig auf seinen Bart.

Er beschimpfte die Mädchen für das, was sie getan hatten,

packte einen Beutel voller Gold vom Boden

und verfluchte sie beim Weggehen.


Tags darauf wollten die Schwestern Fische fangen.

Am Ufer begegneten sie dem kleinen Mann erneut.

Dieses Mal hatte sich sein Bart in der Angelschnur verwickelt.

Sie versuchten mit allen Mitteln, ihn loszubekommen, jedoch vergebens.

Die Schere war auch diesmal das einzige Mittel

und sie schnitten erneut einen kleinen Teil seines Barts ab.

Unter lautem Protest hob der Zwerg einen Sack voller Perlen auf

und ging von den Mädchen fort.

Auf dem Rückweg ins Dorf erblickten die Mädchen einen riesigen Adler

der den Zwerg bedrängte, ihn zu hacken und fortzutragen suchte.

Ohne zu zögern hielten sie den kleinen Mann an seinem Gewand fest

und befreiten ihn aus der Gewalt des Vogels.

Als der Zwerg jedoch wieder zu Atem gekommen war,

verfluchte er die Mädchen mit lauter Stimme dafür,

dass sie Löcher in sein Gewand gerissen hätten.

Er hob einen Sack voll Edelsteine auf,

drängte sie aus dem Weg und verschwand.

Fast zuhause angekommen sahen die Mädchen den Zwerg abermals.

Dieses Mal leerte er die Schätze aus seinen Beuteln und Säcken.

Plötzlich kam ihr Freund, der Bär, aus dem Wald.

Der Zwerg sprang voller Furcht auf, konnte jedoch nicht entkommen.

Er schrie und flehte

und bat den Bären um Gnade.

Die Mädchen waren voller Furcht.

Der Bär jedoch gebot ihnen, zu warten und keine Angst zu haben.

Er näherte sich ihnen und da glitt sein Bärenfell zu Boden.

Zum Vorschein kam ein wunderschöner Jüngling,

von Kopf bis Fuß in goldene Gewänder gekleidet.

Er erklärte, dass er ein Königssohn sei,

und dass er von dem Zwerg, der seinen Schatz gestohlen hatte, verwünscht worden sei.

Der Prinz verliebte sich in Schneeweißchen und heiratete sie,

während Rosenrot die Gemahlin seines Bruders wurde.

Sie teilten die Schätze untereinander auf

und holten ihre Mutter zu sich ins Schloss.

Diese nahm die beiden Rosenbäumchen mit

und pflanzte sie vor ihr Fenster.

Dort trieben sie Jahr für Jahr die herrlichsten Rosen,

weiß und rot.


 

 

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